Es ist 21 Uhr, das Abendessen steht auf dem Herd, und mit einem Mal fällt der gesamte Strom in der Wohnung aus. Keine Lampen, kein Kühlschrank, kein WLAN. In Wien passiert genau das mehreren tausend Haushalten pro Jahr, und die meisten Mieter wissen in diesem Moment nicht, was als erstes zu tun ist. Dabei hängt von den ersten Minuten oft ab, ob Schäden entstehen, wer die Kosten trägt und wie schnell die Versorgung wiederhergestellt wird.
Zuerst den Sicherungskasten prüfen
Der häufigste Grund für einen kompletten Wohnungsausfall ist eine ausgelöste Sicherung oder ein ausgelöster FI-Schutzschalter. Der Sicherungskasten sitzt in Wiener Altbauten oft im Vorzimmer oder im Abstellraum, in Neubauten häufig neben der Wohnungseingangstür. Wer ihn im Dunkeln suchen muss, verliert wertvolle Zeit. Es empfiehlt sich deshalb, die Position bereits im Normalbetrieb zu kennen und eine Taschenlampe griffbereit zu haben.
Ist der FI-Schutzschalter ausgelöst, zeigt er das durch eine herausgesprungende Taste oder einen umgelegten Hebel an. Vor dem Zurücksetzen alle Verbraucher vom Netz nehmen, also Stecker ziehen, Geräte ausschalten. Erst dann den Schalter wieder hochlegen. Springt er sofort erneut heraus, liegt ein ernsthafteres Problem vor, und es sollte nichts weiter probiert werden.
Wohnungsausfall oder Hausausfall?
Es macht einen erheblichen Unterschied, ob nur die eigene Wohnung betroffen ist oder das gesamte Haus. Ein Blick aus dem Fenster oder ein kurzes Gespräch mit Nachbarn klärt das schnell. Ist nur die eigene Einheit dunkel, liegt das Problem mit hoher Wahrscheinlichkeit innerhalb der Wohnung oder am Zähler. Sind mehrere Parteien betroffen, ist der Hausanschluss oder das Netz der Wien Energie die wahrscheinlichere Ursache.
Wien Energie betreibt in Wien rund 1,3 Millionen Zählpunkte. Netzstörungen werden über die Störungshotline 0800 80 84 00 gemeldet, die rund um die Uhr erreichbar ist. Auf der Website des Netzbetreibers Wiener Netze gibt es außerdem eine interaktive Störungskarte, auf der aktuelle Ausfälle nach Bezirk angezeigt werden. Ein kurzer Check dort spart unter Umständen unnötige Anrufe.
Den Vermieter informieren und Schäden dokumentieren
Sobald klar ist, dass das Problem nicht durch das einfache Zurücksetzen einer Sicherung zu lösen ist, muss der Vermieter oder die Hausverwaltung informiert werden. Das gilt auch nachts. Viele Wiener Hausverwaltungen haben einen Bereitschaftsdienst für Notfälle. Die entsprechende Nummer steht im Mietvertrag oder am Aushang im Stiegenhaus.
Wichtig ist die schriftliche Dokumentation, am besten per E-Mail oder SMS mit Zeitstempel. Notiert werden sollte der genaue Zeitpunkt des Ausfalls, betroffene Bereiche und ob Geräte beschädigt wurden. Friert etwa der Inhalt eines vollständig bestückten Gefrierschranks auf, entstehen schnell Schäden im Bereich von 100 bis 300 Euro. Wer die Ursache des Ausfalls auf einen Defekt in der allgemeinen Hausinstallation zurückführen kann, hat gute Chancen, diese Kosten vom Vermieter oder dessen Haftpflichtversicherung erstattet zu bekommen.
Wann ein Elektriker sofort gerufen werden muss
Es gibt Situationen, in denen nicht gewartet werden sollte. Riecht es nach verbranntem Kunststoff, ist eine Steckdose verfärbt oder warm, oder ist nach einem lauten Knall der Strom ausgefallen, handelt es sich möglicherweise um einen Kurzschluss mit Brandgefahr. In diesen Fällen gilt: Wohnung verlassen, im Zweifelsfall die Feuerwehr unter 122 rufen und danach einen Fachbetrieb beauftragen. Hilfe bei einem Kurzschluss in Wien ist auch außerhalb der regulären Geschäftszeiten verfügbar, was in akuten Situationen entscheidend sein kann.
Auch wenn kein unmittelbarer Brandverdacht besteht, aber die Ursache des Ausfalls unklar bleibt, sollte kein Laie an der Elektroinstallation herumexperimentieren. Das österreichische Elektrotechnikgesetz schreibt vor, dass Arbeiten an ortsfesten Installationen von konzessionierten Fachbetrieben durchgeführt werden müssen. Wer selbst Hand anlegt und dabei einen Folgeschaden verursacht, riskiert den Verlust des Versicherungsschutzes.
Wer trägt die Kosten?
Die Kostenfrage ist in der Praxis oft der heikelste Punkt. Eine klare Übersicht:
- Defekte Sicherung in der Wohnungsinstallation: In der Regel Mieter, sofern keine Vorschäden durch Baumängel vorliegen.
- Defekt am Zählerkasten oder in der Hausinstallation: Vermieter bzw. Hauseigentümer.
- Netzstörung durch Wien Energie oder Wiener Netze: Netzbetreiber, wobei Schadenersatzansprüche an strikte Voraussetzungen geknüpft sind.
- Schäden durch einen selbst verursachten Kurzschluss: Mieter, gegebenenfalls über Haushaltsversicherung.
Eine gültige Haushaltsversicherung deckt in vielen Tarifen auch Schäden durch Kurzschluss ab. Es lohnt sich, die eigene Police genau zu lesen oder beim Versicherer nachzufragen, welche Schadensereignisse konkret eingeschlossen sind.
Vorsorge für den nächsten Ausfall
Ein Stromausfall trifft immer unvorbereitet, aber das Ausmaß der Unannehmlichkeiten lässt sich mit wenigen Maßnahmen deutlich reduzieren. Eine Schublade mit Taschenlampe, Batterien und einer kurzen Notfallnummernliste kostet nichts und spart im Ernstfall viel Zeit. Wer auf elektrische Medizingeräte angewiesen ist, etwa auf ein CPAP-Gerät zum Schlafen, sollte überlegen, ob eine kleine Powerbank oder ein USV-Gerät sinnvoll ist.
Für ältere Elektroinstallationen in Wiener Gründerzeithäusern empfiehlt die österreichische Bundesinnung der Elektrotechniker eine Überprüfung alle zehn Jahre. Viele Wohnungen aus den 1960er und 1970er Jahren haben Leitungsquerschnitte, die für den heutigen Stromverbrauch schlicht zu gering ausgelegt sind. Ein modernes Haushalt mit Induktionsherd, Wärmepumpentrockner und mehreren Ladegeräten zieht deutlich mehr Leistung als die damaligen Planer vorgesehen haben. Wer wiederholt Sicherungsausfälle erlebt, sollte das dem Vermieter schriftlich mitteilen und auf eine Überprüfung der Installation drängen.
Ein Stromausfall ist selten eine Katastrophe, aber er offenbart schnell, wie abhängig der Alltag von einer einzigen Infrastruktur ist. Wer die richtigen Schritte kennt, bleibt ruhig, handelt gezielt und verhindert, dass aus einem harmlosen Sicherungsdefekt ein teurer oder gefährlicher Schaden wird.

