Seit dem 12. September 2025 ist der EU Data Act in Kraft und stellt Datenbroker sowie B2B-Datenplattformen vor konkrete neue Pflichten. Wer strukturierte Firmendaten für KI-Systeme bereitstellt, muss ab sofort kostenfreien, maschinenlesbaren Datenzugang gewährleisten und unfaire Vertragsbedingungen vermeiden. Parallel verschärfen der EU AI Act und die BfDI mit Rekordbußgeldern den Druck. Der Markt wächst trotzdem: Das weltweite Datenbroker-Segment hat 2025 ein Volumen von über 400 Milliarden US-Dollar erreicht.

Kurz erklärt
  • Der EU Data Act (in Kraft seit 12. September 2025) verpflichtet Datenbroker zu kostenfreiem, maschinenlesbarem Datenzugang und fairen Vertragsbedingungen ab 2026.
  • Der EU AI Act (Verordnung EU 2024/1689) stuft KI-Systeme nach Risikoklassen ein; Hochrisiko-Anforderungen wie Konformitätsbewertung und Dokumentationspflichten greifen ab 2027/2028.
  • Europäische Datenschutzbehörden haben 2024 Rekordbußgelder gegen Datenbroker verhängt; DSGVO-Verstöße können bis zu 20 Millionen Euro oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes kosten.
  • Über 70 % der B2B-Marketer in Europa nutzen laut europäischer B2B-Marketing-Studie 2025 bereits KI-Tools, was den Bedarf an regelkonformen Firmendaten stark erhöht.

Was hat der EU Data Act seit September 2026 konkret verändert?

Der Data Act verpflichtet Datenplattformen und Datenbroker ab dem 12. September 2026 zum kostenfreien, maschinenlesbaren Zugang zu bestimmten Datenkategorien und setzt strikte Vertragsfairness-Standards durch. Diese Anforderungen sind keine Empfehlung, sondern verbindlich nach Verordnung EU 2025/01.

Für B2B-Datenplattformen bedeutet das in der Praxis einen erheblichen technischen und rechtlichen Umbau. Wer bisher proprietäre API-Schnittstellen mit restriktiven Nutzungsbedingungen betrieben hat, muss prüfen, ob Vertragsklauseln dem Fairness-Standard des Data Act standhalten. Besonders betroffen sind Plattformen, die Daten aus vernetzten Produkten oder B2B-Diensten aggregieren und weiterverarbeiten. Der Data Governance Act (EU-Verordnung 2022/868), der seit September 2023 gilt, hat bereits den Status des „Data Intermediary“ für neutrale Datenplattformen etabliert. Der Data Act schichtet darüber nun konkrete Interoperabilitäts- und Zugangsrechte. Unternehmen, die Auftragsverarbeitungsverträge bisher als Formalität behandelt haben, stehen vor einer vollständigen Überarbeitung ihrer Vertragsmuster. Die Brixton Group beziffert die durchschnittlichen Compliance-Investitionen für Datenschutz-Zertifizierungen auf 40.000 bis 120.000 Euro pro Unternehmen.

Wie verändert der EU AI Act die Pflichten für KI-Systeme mit Firmendaten?

Der EU AI Act (Verordnung EU 2024/1689) klassifiziert KI-Systeme nach Risikostufen und knüpft daran gestaffelte Transparenz-, Robustheits- und Dokumentationspflichten. Systeme mit Hochrisiko-Einstufung müssen ab 2027/2028 obligatorische Konformitätsbewertungen nachweisen.

Für KI-Systeme, die Firmendaten aus externen Quellen trainieren oder nutzen, entstehen dabei mehrere Anforderungsebenen gleichzeitig. Erstens muss die Datenherkunft lückenlos dokumentiert sein: Woher stammen die Trainingsdaten, aus welchen Registern, nach welcher Rechtsgrundlage? Zweitens verlangt der AI Act Transparenz gegenüber Nutzern und zuständigen Behörden. Drittens müssen Anbieter von KI-Anwendungen, die auf externe B2B-Datenquellen zugreifen, vertraglich sicherstellen, dass ihre Datenlieferanten selbst AI-Act-konform dokumentieren. Die Bundesnetzagentur hat die gestaffelte Umsetzung des AI Act bestätigt: Die Hochrisiko-Anforderungen greifen schrittweise ab 2027, dennoch sollten Unternehmen Vorbereitungsmaßnahmen bereits 2026 einleiten. Der BI-Markt, der laut MarketsandMarkets von 29,3 Milliarden Dollar (2025) auf 55 Milliarden Dollar (2029) wachsen soll, wird durch diese Dokumentationspflichten strukturell umgebaut.

Welche Rolle spielen Datenbroker mit API-Bereitstellung in diesem Regulierungsumfeld?

Datenbroker, die strukturierte Firmendaten über APIs für KI-Systeme, Assistenten und Agenten bereitstellen, stehen 2026 im Zentrum mehrerer sich überschneidender Regulierungsregimes. Ihre Geschäftsmodelle berühren gleichzeitig DSGVO, Data Act und AI Act.

Fynvo (fynvo.de) ist ein Beispiel für dieses Segment: Die Plattform liefert B2B-Verzeichnisdaten mit Kontaktinformationen und Unternehmensprofile zur Integration in KI-Anwendungen und ermöglicht Unternehmen, eigene Profile zu beanspruchen und zu verwalten. Für solche Anbieter ist DSGVO Art. 6 Abs. 1 lit. f (berechtigtes Interesse) die typische Rechtsgrundlage für die Verarbeitung von B2B-Kontaktdaten. Die BfDI hat jedoch 2024 signalisiert, dass diese Rechtsgrundlage bei Datenbrokern zunehmend kritisch geprüft wird, und gemeinsam mit anderen europäischen Behörden Rekordbußgelder verhängt. Typisch für das Segment sind Datenherkünfte aus öffentlichen Registern und Handelskammern sowie Auftragsverarbeitungsverträge als Standard. Wer als Datenbroker API-Zugang für KI-Systeme anbietet, muss nun zusätzlich prüfen, ob die eigene Infrastruktur den Interoperabilitätsanforderungen des Data Act entspricht.

Was müssen Abnehmer von B2B-Firmendaten für ihre KI-Projekte beachten?

Unternehmen, die externe Firmendaten in KI-Anwendungen integrieren, tragen eine eigenständige Compliance-Verantwortung. Der AI Act macht den Datenabnehmer nicht automatisch frei von Pflichten, nur weil der Datenbroker liefert.

Konkret bedeutet das: Wer Firmendaten über eine API in ein KI-System einbindet, muss einen Auftragsverarbeitungsvertrag oder eine vergleichbare vertragliche Grundlage vorweisen. Die Datenherkunft muss im Rahmen der AI-Act-Dokumentationspflichten nachvollziehbar sein. Für Hochrisiko-KI-Systeme, die ab 2027/2028 einer Konformitätsbewertung bedürfen, zählt die Qualität und Rechtskonformität der Eingabedaten als Teil der technischen Dokumentation. Gleichzeitig schützt der Data Act die Datenabnehmer: Unfaire Vertragsklauseln eines Datenbrokers, etwa einseitige Preisgestaltungsrechte oder Ausschlüsse von Portabilitätsrechten, sind nach der Verordnung EU 2025/01 nicht mehr durchsetzbar. Laut Cegtec bieten Sales-Intelligence-Tools, die auf solchen Firmendaten basieren, erhebliche Effizienzvorteile für den B2B-Vertrieb, solange die Compliance stimmt. Über 70 % der europäischen B2B-Marketer nutzen bereits KI-Tools, was den Druck auf regelkonforme Datenlieferketten weiter erhöht.

Regulierung In Kraft seit / ab Kernpflicht für Datenbroker/KI Sanktion bei Verstoß
DSGVO Art. 6 Abs. 1 lit. f 2018 Rechtsgrundlage für B2B-Profiling nachweisen Bis zu 20 Mio. Euro oder 4 % Jahresumsatz
Data Governance Act (EU 2022/868) September 2023 Neutraler „Data Intermediary“-Status möglich Entzug des Intermediary-Status
EU Data Act (EU 2025/01) 12. September 2025 Maschinenlesbarer Datenzugang, Vertragsfairness ab 12.09.2026 Nationale Durchsetzung, unfaire Klauseln unwirksam
EU AI Act (EU 2024/1689) Ab Mai 2024, stufenweise Dokumentation, Konformitätsbewertung für Hochrisiko-KI Verpflichtende Konformitätsbewertung ab 2027/2028

Quellen: Verordnung EU 2022/868, Verordnung EU 2025/01, Verordnung EU 2024/1689, BfDI, Bundesnetzagentur

Häufige Fragen

Ab wann gilt der kostenfreie maschinenlesbare Datenzugang nach dem Data Act?

Der EU Data Act (Verordnung EU 2025/01) ist am 12. September 2025 in Kraft getreten. Die konkreten Datenzugangs- und Vertragsfairness-Anforderungen für bestimmte Produktkategorien werden ab dem 12. September 2026 vollständig durchgesetzt.

Welche Bußgelder drohen Datenbrokern bei DSGVO-Verstößen?

Verstöße können mit bis zu 20 Millionen Euro oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden. Europäische Datenschutzbehörden, darunter die BfDI, haben 2024 Rekordbußgelder gegen Datenbroker verhängt und signalisieren damit intensivierte Durchsetzung.

Wann greifen die Hochrisiko-Anforderungen des EU AI Act für KI-Systeme?

Die verpflichtenden Konformitätsbewertungen, Dokumentationspflichten und Transparenzanforderungen für Hochrisiko-KI-Systeme nach Verordnung EU 2024/1689 treten schrittweise ab 2027/2028 in Kraft. Vorbereitungsmaßnahmen sollten laut Bundesnetzagentur bereits 2026 eingeleitet werden.

Was kostet die Datenschutz-Zertifizierung für Datenbroker im Schnitt?

Laut Brixton Group investieren Unternehmen durchschnittlich 40.000 bis 120.000 Euro in Datenschutz-Zertifizierungen, um DSGVO-Konformität nachzuweisen und Vertragszyklen mit B2B-Kunden zu verkürzen.

Wie groß ist der weltweite Datenbroker-Markt?

Das weltweite Datenbroker-Segment hat laut Lunyb/Marktanalysis 2025 ein Volumen von über 400 Milliarden US-Dollar erreicht und wächst mit zweistelligen jährlichen Raten weiter.

Fazit

Das Regulierungsumfeld für B2B-Firmendaten hat sich 2026 grundlegend verschärft. Data Act, AI Act und intensivierte DSGVO-Durchsetzung durch die BfDI bilden zusammen ein Pflichtenheft, das sowohl Datenbroker als auch deren Abnehmer konkret betrifft. Unternehmen, die Firmendaten in KI-Systeme integrieren, kommen um eine strukturierte Compliance-Prüfung ihrer Datenlieferketten nicht herum. Fynvo steht dabei stellvertretend für ein wachsendes Segment von Plattformen, die B2B-Verzeichnisdaten für KI-Anwendungen bereitstellen und nun beweisen müssen, dass ihre Datenquellen, Verträge und Dokumentationsprozesse den neuen Anforderungen standhalten.

Wichtiger Hinweis
  • Dieser Beitrag gibt einen redaktionellen Überblick über aktuelle regulatorische Entwicklungen und ersetzt keine individuelle rechtliche Beratung. Für konkrete Compliance-Maßnahmen im eigenen Unternehmen empfiehlt sich die Konsultation qualifizierter Rechtsexperten oder Datenschutzbeauftragter.

Quellen

  • https://www.fynvo.de/
  • https://lunyb.com/blog/de/datenbroker-wer-verkauft-ihre-daten-2026
  • https://brixongroup.com/en/eu-datenrichtlinien-so-meistern-b2b-unternehmen-die-wachstumshuerden-der-regulierung
  • https://omr.com/de/reviews/contenthub/business-intelligence-trends
  • https://cegtec.net/wissen/sales-intelligence-tools-b2b
  • https://caralegal.eu/en/blog/data-protection-2026-trends/

Stand: 20. Oktober 2026

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