Oberstdorf nach Meran in sieben bis acht Etappen, rund 120 Kilometer, bis zu 2.400 Meter Höhe: Der E5 gilt als Einsteigerroute unter den Alpenüberquerungen, was allerdings nicht bedeutet, dass er harmlos ist. Wer 2026 mit der Familie oder als Anfänger diese Strecke gehen will, braucht kein Bergführer-Abo, aber realistische Erwartungen, konkrete Vorbereitung und vor allem funktionierende Hüttenreservierungen.

Was den E5 von anderen Routen unterscheidet

Der E5 ist Teil des europäischen Fernwanderwegs, der von Frankreich bis nach Verona reicht. Der Abschnitt durch die Alpen, also von Oberstdorf ins Südtiroler Meran, ist jener, den die meisten Wanderer meinen, wenn sie von der “Alpenüberquerung” sprechen. Die Route führt durch bayerisches Voralpenland, über das Allgäu, das Lechtal, die Ötztaler Alpen bis ins Vinschgau. Infrastrukturell ist sie gut erschlossen: Hütten gibt es in regelmäßigen Abständen, Beschilderungen sind zuverlässig, und in Notfällen sind die meisten Punkte innerhalb weniger Stunden erreichbar.

Genau das macht den E5 für Familien attraktiv. Ein zwölfjähriges Kind mit Wandererfahrung schafft die meisten Etappen problemlos, wenn Tempo und Pausen vernünftig geplant sind. Die längsten Tage liegen bei 20 bis 25 Kilometern mit 1.400 Höhenmetern, etwa die Übergänge über den Pitztaler Jöchl oder das Timmelsjoch. Wer diese Abschnitte unterschätzt, hat ein Problem.

Planung: Wann anfangen, wie vorgehen

Hüttenbuchungen für Juli und August sollten spätestens im März abgeschlossen sein. Wer im Juni oder September wandert, hat mehr Spielraum, riskiert aber schlechteres Wetter und auf der Südseite der Alpen bereits hohe Temperaturen im Tal. Die meisten Hütten öffnen Mitte Juni und schließen Anfang Oktober.

Ein realistisches Budget für eine Woche liegt pro Person bei 600 bis 900 Euro, abhängig davon, ob man auf Lager oder Mehrbettzimmer setzt. Vollpension auf Hütten kostet zwischen 55 und 90 Euro pro Nacht, Halbpension entsprechend weniger. Kinder bis 15 Jahren bekommen auf DAV-Hütten Ermäßigungen von bis zu 50 Prozent, sofern mindestens ein Elternteil Mitglied ist.

Wer den E5 ohne Bergführer planen möchte, findet auf den E5 ohne Bergführer planen eine detaillierte Übersicht zu Etappen, alternativen Abstiegen und Ausrüstungsempfehlungen, die speziell auf Selbstorganisierende zugeschnitten ist.

Ausrüstung ohne Übergewicht

Der häufigste Fehler von Einsteigern: zu viel Gepäck. Mehr als 12 Kilogramm Rucksackgewicht für Erwachsene, mehr als 6 Kilogramm für Kinder, machen jeden langen Abstieg zur Qual. Die folgende Liste zeigt, was wirklich nötig ist:

  • Schuhe: Knöchelhohe Bergschuhe mit Kategorie B oder C, eingelaufen vor der Tour
  • Regenschutz: Jacke und Hose, kein Poncho auf technischem Gelände
  • Schlafsack-Inlett: Auf Hütten Pflicht, spart Gewicht gegenüber vollem Schlafsack
  • Erste Hilfe: Blasenpflaster, Kompressionsverband, Schmerzmittel, Sonnenschutz LSF 50+
  • Navigation: Offline-Karte (z.B. komoot oder maps.me), Kompass als Backup
  • Stöcke: Teleskopstöcke entlasten die Knie, besonders bei langen Abstiegen

Auf das Handy sollte man sich nicht blind verlassen. In Tallagen funktioniert Mobilfunk gut, auf Hochlagen zwischen 2.000 und 2.400 Meter gibt es regelmäßig keine Verbindung. Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte die Gruppe nie trennen und Treffpunkte für den Notfall vorher besprechen.

Gesundheit und körperliche Vorbereitung

Der Deutsche Alpenverein empfiehlt für die Alpenüberquerung eine Grundfitness, die mindestens drei bis vier Monate konsequentes Wandertraining voraussetzt, inklusive Touren mit 800 bis 1.000 Höhenmetern am Stück. Wer das ignoriert, kämpft ab Tag drei mit Knieproblemen oder Muskelkater, der das Weitergehen unmöglich macht.

Höhenprobleme sind auf dem E5 selten, da man kaum über 2.500 Meter kommt. Trotzdem reagieren Kinder empfindlicher auf Austrocknung und Überhitzung als Erwachsene. Mindestens zwei Liter Wasser pro Person und Tag auf der Strecke sind Pflicht, auf langen Etappen mehr. Quellen auf der Route sind meist trinkbar, sollten aber im Zweifelsfall gefiltert werden.

Etappenübersicht: Orientierungspunkte für die Planung

Etappe Von / Nach Gehzeit Höhenmeter (auf/ab)
1 Oberstdorf / Kemptner Hütte 5 bis 6 h +1.350 / -200
2 Kemptner Hütte / Memminger Hütte 5 bis 7 h +950 / -850
3 Memminger Hütte / Zams 5 bis 6 h +200 / -1.450
4 Zams / Braunschweiger Hütte 6 bis 7 h +1.650 / -350
5 Braunschweiger Hütte / Vent 4 bis 5 h +200 / -1.200
6 Vent / Similaunhütte 5 bis 6 h +1.300 / -200
7 Similaunhütte / Meran 6 bis 8 h +100 / -2.100

Was oft unterschätzt wird: Wetter und Alternativen

Die Alpen bilden eine eigene Klimazone. Gewitter entstehen im Sommer häufig zwischen 13 und 16 Uhr, besonders auf freien Kammlagen. Die Regel lautet: Früh starten, spätestens 7 Uhr, und exponierte Abschnitte vor Mittag hinter sich bringen. Das österreichische Umweltbundesamt stellt auf seiner Website unter umweltbundesamt.at auch allgemeine Informationen zu Wetterrisiken und Klimaveränderungen im Alpenraum bereit, die zeigen, wie stark sich die Bedingungen in den letzten Jahrzehnten verändert haben.

Wer mit Kindern oder ohne viel Hochgebirgserfahrung unterwegs ist, sollte für jede Etappe eine Ausweichroute kennen. Zwischen Vent und der Similaunhütte gibt es zum Beispiel bei schlechter Sicht oder Nässe eine sichere Talvariante über Schnals. Diese kostet mehr Zeit, aber keine Nerven. Flexibilität ist keine Schwäche, sondern Teil guter Tourenplanung.

Der E5 ist 2026 nicht weniger beliebt als in den Vorjahren. Die Hütten melden volle Buchungskalender, und Einzelplätze in beliebten Unterkünften wie der Braunschweiger Hütte sind bis September praktisch ausgebucht. Wer wartet, übernachtet im Zelt oder im Tal und verliert den rhythmischen Etappencharakter, der diese Route ausmacht. Früh planen lohnt sich also nicht nur logistisch, sondern auch finanziell.

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