Wer heute eine Immobilie inseriert, listet neben Quadratmetern und Lage zunehmend auch auf, ob die Küche mit dem Smartphone spricht. Smart Kitchens, also vollständig oder teilweise vernetzte Küchen, tauchen in Exposés auf, die noch vor fünf Jahren ausschließlich über Parkettboden und Südbalkon berichtet hätten. Die Frage ist, ob das bloße Marketingstrategie ist oder ob vernetzte Küchen tatsächlich den Kaufpreis beeinflussen.

Was eine Smart Kitchen überhaupt ausmacht

Der Begriff ist unscharf, weshalb es sich lohnt, ihn zu konkretisieren. Eine vollständig vernetzte Küche besteht aus mehreren Komponenten, die miteinander kommunizieren: Backofen und Dampfgarer mit WLAN-Modul, Kühlschrank mit integriertem Kamera-System und Touchdisplay, Dunstabzugshaube, die automatisch hochregelt, sobald der Herd heizt, sowie Spülmaschinen, die Lastspitzen im Stromnetz erkennen und ihren Betrieb verschieben.

Hersteller wie Miele, Bosch und Siemens bieten seit 2019 Geräte an, die sich in Smart-Home-Systeme wie Apple HomeKit, Google Home oder das proprietäre Home Connect einbinden lassen. Ein Backofen der Miele Generation 7000 kostet rund 1.800 bis 2.800 Euro und lässt sich per App steuern, überwacht Temperaturen in Echtzeit und schickt eine Benachrichtigung, wenn das Fleisch die gewünschte Kerntemperatur erreicht. Das ist nicht Spielerei: Wer regelmäßig kocht, spart damit messbar Zeit.

Was Käufer konkret erwarten

Eine Studie des Marktforschungsinstituts Statista aus 2023 zeigt, dass rund 38 Prozent der deutschen Hauskäufer unter 45 Jahren eine vorinstallierte Smart-Home-Infrastruktur als Kaufkriterium nennen. Küche und Bad stehen dabei vor Beleuchtung und Heizungssteuerung. Das deckt sich mit Beobachtungen von Maklern in Ballungsräumen: Objekte mit ausgestatteter Smart Kitchen werden im Schnitt 4 bis 7 Prozent teurer angeboten und erzielen diesen Aufschlag bei entsprechender Zielgruppe auch.

Entscheidend ist dabei nicht die Anzahl der vernetzten Geräte, sondern deren Integration. Ein einzelner smarter Kühlschrank neben einem analogen Herd wirkt halbherzig. Käufer, die Wert auf diese Ausstattung legen, achten darauf, ob die Geräte ein einheitliches Ökosystem bilden. Ein Bosch-Backofen, der mit der Siemens-Dunstabzugshaube über Home Connect kommuniziert und sich mit dem Licht über Philips Hue verbinden lässt, ist ein Argument. Eine Sammlung verschiedener Apps ohne gemeinsame Plattform ist keines.

Immobilienmärkte mit besonderer Nachfrage

In Städten mit hohem Anteil an technologieaffinen Beschäftigten ist die Nachfrage nach vernetzten Ausstattungsmerkmalen überdurchschnittlich hoch. Das gilt für München, Frankfurt, Hamburg und auch für Bonn, wo der Anteil an Bundesbehörden, IT-Unternehmen und internationalen Organisationen eine kaufkräftige und technikoffene Käuferschaft erzeugt. Wer in diesem Segment sucht oder verkauft, sollte die Zielgruppe genau kennen: Ein erfahrener Immobilien Bonn Spezialist weiß, welche Ausstattungsmerkmale in diesem Markt tatsächlich zählen und welche den Preis kaum bewegen.

In ländlichen Regionen oder bei Bestandsimmobilien älterer Baujahre sieht das anders aus. Dort ist die Infrastruktur oft die Hürde: Kein stabiles WLAN in der Küche, veraltete Elektroinstallation ohne ausreichende Absicherung, Wände, die Smart-Home-Hubs schlucken statt durchlassen. Eine Smart Kitchen nachzurüsten kostet dort nicht nur Geld für die Geräte, sondern häufig auch für die Grundlage.

Was eine vollständige Ausstattung kostet

Komponente Einstieg Gehobene Klasse
Backofen mit WLAN ca. 900 Euro ca. 2.800 Euro
Kühlschrank mit Display ca. 1.200 Euro ca. 3.500 Euro
Dunstabzug mit Sensor ca. 600 Euro ca. 1.800 Euro
Induktionskochfeld vernetzt ca. 700 Euro ca. 2.200 Euro
Spülmaschine smart ca. 800 Euro ca. 1.600 Euro

Wer alle Komponenten in gehobener Ausführung kombiniert, landet schnell bei 10.000 bis 12.000 Euro für die Geräte allein, ohne Einbau, Elektroinstallation und Smart-Home-Hub. Der Einbau durch einen Fachbetrieb schlägt mit 1.500 bis 3.000 Euro zusätzlich zu Buche, abhängig von den bestehenden Leitungen und der Komplexität der Integration.

Realistischer Wertzuwachs oder Ausstattungsfalle?

Hier ist Nüchternheit geboten. Nicht jede Investition in vernetzte Technik zahlt sich beim Verkauf aus. Geräte veraltern, Software wird nicht mehr unterstützt, Ökosysteme werden eingestellt. Wer 2018 auf Samsungs SmartThings-Plattform gesetzt hat, musste 2023 feststellen, dass mehrere Dienste abgeschaltet wurden. Ein Käufer, der 2025 eine solche Küche übernimmt, kauft möglicherweise Technik, die in zwei Jahren halbiert unterstützt wird.

Das bedeutet nicht, dass Smart Kitchens keine sinnvolle Investition sind. Es bedeutet, dass der Einbau offener Standards, also Matter-kompatibler Geräte statt proprietärer Systeme, langfristig mehr Wert erhält. Matter ist ein 2022 eingeführtes, herstellerübergreifendes Protokoll, das von Apple, Google, Amazon und Samsung gemeinsam entwickelt wurde. Geräte mit Matter-Zertifizierung funktionieren plattformunabhängig und sind damit zukunftssicherer als Geräte, die an einen einzigen Hersteller gebunden sind.

Wann sich der Einbau lohnt und wann nicht

Für Verkäufer gilt: Eine Smart Kitchen lohnt sich dann, wenn die Zielgruppe technikaffin ist, das Objekt im mittleren bis gehobenen Preissegment liegt und die Geräte neueren Baujahrs sind. Eine vernetzte Küche in einem Einstiegspreissegment-Objekt ist ein Missverhältnis, das Käufer irritiert statt überzeugt.

Für Käufer gilt das Gegenteil: Wer eine Immobilie mit smart ausgestatteter Küche kauft, sollte folgende Punkte prüfen:

  • Welches Protokoll nutzen die Geräte, und wird es noch aktiv weiterentwickelt?
  • Sind die Geräte noch im Support des Herstellers, und wie lange noch?
  • Gibt es einen zentralen Hub, und wie stabil läuft er?
  • Wurde die Elektroinstallation für die Mehrbelastung durch vernetzte Geräte ausgelegt?

Eine Smart Kitchen kann ein echtes Kaufargument sein. Sie ist es aber nur, wenn Technik und Zielgruppe zusammenpassen, die Geräte ein funktionierendes Ökosystem bilden und der Verkäufer nicht einfach alte Geräte gegen vermeintlich moderne ausgetauscht hat, ohne die zugrunde liegende Infrastruktur anzufassen. Wer das beachtet, hat tatsächlich ein Verkaufsargument in der Hand. Wer es ignoriert, investiert in Optik statt in Substanz.

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