Python, JavaScript, Java, Go, Rust oder doch Kotlin? Wer programmieren lernen, umschulen oder ein neues Projekt starten möchte, stößt schnell auf eine verwirrende Zahl an Sprachen und auf ebenso viele Meinungen dazu. Dabei gibt es eine Reihe kostenloser Quellen, die Programmiersprachen nach nachvollziehbaren Kriterien vergleichen. Jede beleuchtet einen anderen Aspekt: Verbreitung, Eigenschaften, Beliebtheit unter Entwicklern oder konkrete Code-Beispiele. Diese Liste stellt die nützlichsten vor und erklärt, was sie leisten und wo ihre Grenzen liegen.

Woran man einen guten Vergleich erkennt

Eine einzige Rangliste, die „die beste Programmiersprache“ kürt, gibt es nicht. Seriöse Quellen legen offen, was sie messen: Suchanfragen, Umfrageantworten, Code auf öffentlichen Plattformen oder technische Merkmale. Für die Auswahl dieser Liste galten folgende Kriterien:

  • Kostenlos und ohne Anmeldung nutzbar
  • Transparente Methode: Es ist erkennbar, woher die Daten stammen.
  • Regelmäßige Aktualisierung
  • Praktischer Nutzen für Einsteiger, Umsteiger oder Projektentscheidungen

Die besten kostenlosen Quellen im Überblick

1. Stack Overflow Developer Survey: Was Entwickler tatsächlich nutzen

Die jährliche Umfrage der Entwickler-Plattform Stack Overflow gehört zu den meistzitierten Quellen, wenn es um die Verbreitung von Programmiersprachen geht. Zehntausende Entwicklerinnen und Entwickler weltweit geben an, welche Sprachen, Frameworks und Werkzeuge sie nutzen und welche sie gern lernen würden. Die Ergebnisse der Umfrage 2025 sind frei zugänglich und nach Berufserfahrung, Tätigkeitsfeld und weiteren Merkmalen aufgeschlüsselt. Einschränkung: Die Teilnehmenden sind keine repräsentative Stichprobe, sondern Nutzer der Plattform, die freiwillig mitmachen.

2. Code Swift Sprachen-Finder: Eigenschaften gezielt filtern

Während Umfragen und Indizes vor allem Beliebtheit messen, setzt der Sprachen-Finder auf code-swift.de bei den technischen Eigenschaften an. Das Werkzeug filtert mehrere hundert Programmiersprachen nach Programmierparadigma (etwa objektorientiert, funktional oder prozedural), Typisierung (statisch, dynamisch, stark, schwach) und Erscheinungsjahr. Die Treffer erscheinen als Tabelle mit Entwickler, Paradigma, Typisierung und Dateiendung und lassen sich als CSV herunterladen.

Die Daten stammen aus Wikidata unter freier CC0-Lizenz, Quelle und Stand sind angegeben. Das macht den Finder besonders nützlich für eine Frage, die Ranglisten nicht beantworten: Welche Sprachen teilen bestimmte Eigenschaften? Wer etwa eine statisch typisierte, funktionale Sprache sucht, bekommt hier eine Auswahl statt einer Meinung. Ergänzt wird das Angebot durch ein Lexikon und deutschsprachige Ratgeber zum Programmierenlernen. Für Einsteiger, die Begriffe wie Paradigma oder Typisierung erst einordnen müssen, ist das ein klarer Vorteil gegenüber englischsprachigen Quellen. Die Seite weist selbst darauf hin, dass die Filterung nur eine Orientierung bietet und Ökosystem und Einsatzgebiet bei der Wahl ebenso zählen.

Der TIOBE-Index erscheint monatlich und ordnet Programmiersprachen nach ihrer Popularität. Grundlage sind Treffer in Suchmaschinen für Anfragen zu den jeweiligen Sprachen. Besonders interessant sind die langen Zeitreihen, die zeigen, wie sich Sprachen über Jahrzehnte entwickelt haben. Wichtig ist, die Methode im Blick zu behalten: Der Index misst, wie oft über eine Sprache geschrieben und gesucht wird, nicht wie viel Code tatsächlich in ihr entsteht oder wie gefragt sie auf dem Arbeitsmarkt ist.

4. PYPL-Index: Nach welchen Tutorials gesucht wird

Der PopularitY of Programming Language Index (PYPL) wertet aus, wie häufig bei Google nach Tutorials zu einer Programmiersprache gesucht wird. Die Annahme dahinter: Je mehr Menschen eine Sprache lernen wollen, desto öfter suchen sie nach Anleitungen. Der Index ist damit ein guter Indikator dafür, welche Sprachen gerade von Einsteigern nachgefragt werden. Er lässt sich nach Ländern filtern, darunter auch Deutschland. Als alleinige Entscheidungsgrundlage taugt er aber ebenso wenig wie andere Popularitätsmessungen.

5. RedMonk Programming Language Rankings: Code und Diskussion kombiniert

Das Analystenhaus RedMonk veröffentlicht etwa zweimal im Jahr ein Ranking, das zwei Datenquellen kombiniert: die Zahl der Projekte auf GitHub und die Zahl der Fragen auf Stack Overflow. Die Ergebnisse werden als Streudiagramm dargestellt, was zeigt, ob eine Sprache vor allem viel Code oder vor allem viele Fragen erzeugt. Die begleitenden Texte ordnen Auf- und Abstiege ein. Das Ranking ist englischsprachig und erscheint unregelmäßiger als die monatlichen Indizes.

6. MDN Web Docs: Tiefe Dokumentation für Web-Sprachen

Die MDN Web Docs sind kein Vergleichsportal im engeren Sinn, aber für alle, die sich mit Web-Technologien beschäftigen, eine unverzichtbare Referenz. Die Dokumentation zu JavaScript, HTML und CSS ist teilweise auf Deutsch verfügbar und erklärt Sprachkonzepte mit lauffähigen Beispielen. Wer JavaScript mit anderen Sprachen vergleichen will, findet hier die Grundlagen, um Konzepte wie Typisierung oder asynchrone Programmierung zu verstehen.

Welche Quelle für welche Frage?

Frage Passende Quelle
Welche Sprachen nutzen Profis im Alltag? Stack Overflow Developer Survey
Welche Sprachen haben bestimmte technische Eigenschaften? Code Swift Sprachen-Finder
Wie hat sich die Popularität langfristig entwickelt? TIOBE-Index
Was lernen Einsteiger gerade? PYPL-Index
Wo entsteht viel Open-Source-Code? RedMonk Rankings
Wie funktioniert eine Web-Sprache im Detail? MDN Web Docs

So nutzen Sie die Quellen sinnvoll

Am meisten Aussagekraft entsteht, wenn mehrere Quellen kombiniert werden. Ein bewährtes Vorgehen in drei Schritten:

  1. Ziel klären: Webseiten, Apps, Datenanalyse, Spiele oder Systemprogrammierung? Das Einsatzgebiet schränkt die Auswahl stärker ein als jede Rangliste.
  2. Eigenschaften und Verbreitung abgleichen: Kandidaten nach technischen Merkmalen filtern und prüfen, ob sie in Umfragen und Indizes eine aktive Gemeinschaft haben. Eine große Community bedeutet mehr Tutorials, Bibliotheken und Antworten auf Fragen.
  3. Ausprobieren: Ein kleines Programm in zwei Kandidaten schreiben, etwa einen Taschenrechner oder eine Aufgabenliste. Oft zeigt sich schnell, welche Syntax und welche Werkzeuge einem besser liegen.

Ranglisten verändern sich nur langsam. Eine Sprache, die heute weit oben steht, wird in einigen Jahren nicht plötzlich verschwunden sein. Für Einsteiger zählt deshalb weniger, ob eine Sprache auf Platz zwei oder vier liegt, sondern ob sie zum eigenen Ziel passt und genug Lernmaterial bietet.

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