Der Markt für Website-Baukästen ist 2026 unübersichtlicher als je zuvor. Wix hat seine KI-Tools massiv ausgebaut, WordPress bleibt mit über 43 Prozent Marktanteil der unangefochtene Platzhirsch, Squarespace hat sein Commerce-Angebot verdoppelt, und Webflow spricht inzwischen auch kleinere Agenturen an, die früher gar nicht über die Plattform nachgedacht hätten. Die Frage ist nicht mehr, welcher Baukasten der beste ist. Die Frage ist, welcher zu dem passt, was du konkret vor hast.
Was du vor der Entscheidung klären musst
Bevor du eine Plattform testest, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf drei Punkte: technisches Vorwissen, Wachstumspläne und Budget. Ein Portfolio-Site für freiberufliche Fotografen stellt andere Anforderungen als ein Onlineshop mit 500 Produkten oder ein Membership-Bereich mit regelmäßig neuen Inhalten.
Wer null Erfahrung mit HTML oder CSS hat und das auch nicht ändern will, scheidet Webflow praktisch aus. Wer dagegen plant, in zwei Jahren ein Dev-Team einzustellen und die Site komplett individuell zu gestalten, wird mit Wix an Grenzen stoßen. Diese Grenzen sind keine Schwäche der jeweiligen Plattform, sie sind einfach das Ergebnis unterschiedlicher Zielgruppen.
WordPress: Flexibilität mit Preis
WordPress bleibt die leistungsfähigste Option, wenn du Kontrolle willst. Du kannst nahezu jede Funktion durch Plugins nachrüsten, eigene Themes entwickeln oder kaufen und die gesamte Infrastruktur selbst steuern. Das ist der Grund, warum Verlage, mittelständische Unternehmen und ambitionierte Blogger seit Jahren dabei bleiben.
Aber: Du zahlst mit Zeit und Komplexität. Ein vernünftig konfiguriertes WordPress-Setup braucht Hosting (realistisch ab 8 bis 15 Euro monatlich für einen guten Managed-Anbieter), ein Premium-Theme oder einen Pagebuilder wie Elementor oder Bricks, dazu Sicherheits- und Cache-Plugins. Wer das nicht aktiv pflegt, hat innerhalb von 18 Monaten eine veraltete Installation mit Sicherheitslücken. Das ist kein Mythos, das ist der Alltag vieler kleiner Sites.
Für wen es trotzdem die richtige Wahl ist: Alle, die langfristig skalieren wollen, SEO ernst nehmen und bereit sind, sich entweder selbst einzuarbeiten oder jemanden zu bezahlen, der das tut.
Wix: Mehr als ein Einsteigerprodukt
Wix hat seinen Ruf als Spielzeug für Anfänger längst abgeschüttelt. Die Plattform bietet seit 2024 einen vollständigen KI-Website-Generator, der auf Basis weniger Angaben eine strukturierte Startseite inklusive Texten ausspielt. Wer das einmal ausprobiert hat, versteht, warum Wix in bestimmten Segmenten massiv Nutzer gewinnt.
Für kleine Dienstleister, Coaches oder Kreative, die eine professionell aussehende Präsenz ohne monatelange Einarbeitung brauchen, funktioniert Wix sehr gut. Die Preise für Business-Pläne liegen zwischen 17 und 35 Euro pro Monat, der Onlineshop ist ab dem mittleren Paket vollständig nutzbar. Einschränkung: Sobald du die Plattform wechseln willst, nimmst du deine Inhalte mit, aber kein Design und keine Struktur. Lock-in ist real.
Interessant in diesem Zusammenhang ist der Erfahrungsbericht eines Creators, der erklärt, warum ein Creator von WordPress zu Wix gewechselt ist, nachdem ihn der Wartungsaufwand seiner WordPress-Installation zunehmend von der eigentlichen Arbeit abgehalten hat. Solche persönlichen Erfahrungen liefern oft konkretere Entscheidungshilfen als jeder Feature-Vergleich.
Squarespace und Webflow: Zwei Nischengewinner
Squarespace richtet sich an alle, für die Design keine Kompromisszone ist. Die Templates sind konsistent hochwertig, der Editor ist intuitiver als bei Wix, und das integrierte Commerce-System reicht für kleinere Shops vollständig aus. Fotografen, Innenarchitekten und Design-Studios setzen häufig auf Squarespace, weil die Plattform optisch wenig Raum für Fehler lässt. Der Nachteil: Plugins gibt es kaum, Individualisierungen sind durch das System begrenzt.
Webflow spricht eine andere Gruppe an. Wer Frontend-Kenntnisse hat oder zumindest CSS-Logik versteht, kann mit Webflow Seiten bauen, die optisch und technisch mit Custom-Entwicklungen mithalten. Die Lernkurve ist steil, der Output dafür erheblich. Webflow eignet sich für Agenturen, die Kundenprojekte abliefern wollen, ohne für jede Änderung den Code anzufassen, und für Designer, die Pixel-genaue Kontrolle brauchen. Preislich liegt Webflow mit 14 bis 39 Euro monatlich im mittleren Segment, Agenturpläne kosten deutlich mehr.
Ein direkter Vergleich der vier Plattformen
| Plattform | Zielgruppe | Technisches Level | Einstiegspreis/Monat |
|---|---|---|---|
| WordPress | Blogger, KMU, Publisher | Mittel bis hoch | ab ca. 8 Euro (Hosting) |
| Wix | Selbstständige, Kreative | Niedrig | ab 17 Euro |
| Squarespace | Design-Fokus, kleine Shops | Niedrig bis mittel | ab 13 Euro |
| Webflow | Designer, Agenturen | Mittel bis hoch | ab 14 Euro |
Worauf es am Ende wirklich ankommt
Plattformdebatten neigen dazu, sich um Features zu drehen, die die meisten Nutzer nie anfassen. Entscheidender sind drei praktische Kriterien:
- Wie viel Zeit willst du in Technik investieren? WordPress braucht aktive Pflege. Wix und Squarespace übernehmen das für dich.
- Wie wichtig ist SEO für dein Geschäftsmodell? WordPress bietet mit Plugins wie Rank Math oder Yoast die tiefste Kontrolle. Wix und Squarespace haben aufgeholt, aber Sitemaps, strukturierte Daten und technisches SEO sind dort weniger granular steuerbar.
- Planst du Wachstum, das die Plattform mitgehen muss? Wenn ja, ist der Wechsel in zwei Jahren teurer als die Einarbeitung in WordPress heute.
Wer ein Nebenprojekt oder eine einfache Präsenz aufbauen will, fährt mit Wix oder Squarespace gut. Wer eine langfristige digitale Infrastruktur plant, kommt an WordPress oder Webflow kaum vorbei. Kein Baukasten ist für alle Situationen die beste Antwort, und das ist 2026 genauso wahr wie vor zehn Jahren.

